Australian Shepherd
Der Australian Shepherd ist trotz seines Namens keine australische Hunderasse. Er wurde in den USA entwickelt, wo baskische Schäfer ihre Hütehunde mitbrachten. Diese Hunde kamen über den Umweg Australien nach Amerika. So entstand der irreführende Name „Australian Shepherd“.
Der Aussie, wie er liebevoll genannt wird, ist ein Arbeitshund durch und durch. Er wurde gezüchtet, um Schafherden zu hüten und zu treiben. Diese Arbeitsfreude steckt noch heute tief in seinen Genen. Das macht ihn zu einem faszinierenden, aber auch anspruchsvollen Begleiter.
Du denkst darüber nach, dir einen Australian Shepherd anzuschaffen? Dann lies diesen Ratgeber aufmerksam durch. Denn der Aussie ist kein Hund für jedermann. Er braucht mehr als nur Spaziergänge und Streicheleinheiten. Er braucht eine Aufgabe, die ihn geistig und körperlich fordert.

Steckbrief Australian Shepherd
| Größe | 46–58 cm |
| Gewicht | 16–32 kg |
| Lebenserwartung | 12–15 Jahre |
| FCI-Gruppe | Gruppe 1: Hüte- und Treibhunde |
| Herkunft | USA |
| Fell | Mittellang, wellig, dicht |
| Farben | Blue Merle, Red Merle, Schwarz, Rot |
| Charakter | Intelligent, arbeitsfreudig, loyal |
| Bewegungsdrang | Sehr hoch |
| Pflegeaufwand | Mittel |
| Familientauglichkeit | Gut (aktive Familien) |
| Für Anfänger geeignet | Nein |
Wie ist der Charakter des Australian Shepherds?
Der Australian Shepherd ist einer der intelligentesten Hunderassen überhaupt. Er lernt unglaublich schnell und versteht neue Kommandos oft nach wenigen Wiederholungen. Diese Intelligenz ist sein größter Vorzug, aber auch seine größte Herausforderung. Denn ein unterforderter Aussie wird unglücklich und verhaltensauffällig.
Seine Arbeitsfreude ist legendär. Der Aussie braucht eine Aufgabe, die ihn fordert. Ob Hütearbeit, Agility, Rettungshundetraining oder Obedience (Gehorsamkeitstraining): Er blüht auf, wenn er arbeiten darf. Einfach nur spazieren gehen reicht ihm auf Dauer nicht aus.
Der Australian Shepherd ist extrem loyal und bindet sich eng an seine Familie. Er ist ein sensibler Hund, der die Stimmungen seiner Menschen genau wahrnimmt. Fremden gegenüber zeigt er sich oft reserviert und zurückhaltend. Das ist keine Angst, sondern gesunde Vorsicht.
Sein Hüteinstinkt ist stark ausgeprägt. Das kann dazu führen, dass er versucht, Kinder, Jogger oder Radfahrer zu hüten. Dieses Verhalten zeigt sich durch Umkreisen, in die Fersen zwicken oder Anstarren. Mit der richtigen Erziehung lässt sich der Hüteinstinkt in kontrollierte Bahnen lenken.
Was muss ich bei der Haltung eines Australian Shepherds beachten?
Der Australian Shepherd braucht täglich mindestens zwei Stunden aktive Beschäftigung. Lange Spaziergänge allein reichen nicht aus. Er braucht zusätzlich geistige Auslastung durch Suchspiele, Tricks oder Hundesport. Ohne ausreichende Beschäftigung entwickelt er Verhaltensprobleme wie Zerstörungswut oder ständiges Bellen.
Ein Haus mit Garten ist für den Aussie ideal. Eine Wohnungshaltung ist möglich, aber nur wenn du ihm genügend Auslauf und Beschäftigung bietest. Der Garten allein reicht nicht aus, denn er braucht abwechslungsreiche Aktivitäten außerhalb seines Reviers.
Der Australian Shepherd eignet sich hervorragend für Hundesportarten. Agility, Flyball, Disc-Dog (Frisbee für Hunde), Mantrailing (Personensuche) und natürlich Hütearbeit sind seine Spezialitäten. Mindestens eine Sportart solltest du mit ihm regelmäßig ausüben.
Bedenke, dass der Aussie nicht gerne allein ist. Mehr als vier Stunden solltest du ihn nicht allein lassen. Er braucht die Gesellschaft seiner Menschen und leidet unter Isolation. Wenn du ganztags arbeitest, ist der Australian Shepherd keine gute Wahl. Es sei denn, du kannst ihn mit zur Arbeit nehmen.

Wie pflege ich einen Australian Shepherd richtig?
Das mittellange Fell des Australian Shepherds braucht regelmäßige Pflege. Bürste ihn zwei- bis dreimal pro Woche gründlich durch. Verwende dafür eine Unterwollbürste und einen grobzinkigen Kamm. Besonders hinter den Ohren, an der Brust und an den Hinterbeinen bilden sich leicht Verfilzungen.
Zweimal im Jahr durchläuft der Aussie einen starken Fellwechsel. Im Frühjahr und Herbst verliert er große Mengen Unterwolle. In dieser Zeit solltest du ihn täglich bürsten. Ein Furminator (spezielles Enthaarungswerkzeug) hilft dabei, die lose Unterwolle effektiv zu entfernen.
Baden solltest du deinen Australian Shepherd nur bei Bedarf. Zu häufiges Baden zerstört den natürlichen Schutzfilm der Haut. Verwende ein mildes Hundeshampoo und trockne ihn danach gründlich ab. Besonders im Winter ist das wichtig, damit er sich nicht erkältet.
Die Ohren kontrollierst du wöchentlich auf Verschmutzungen und Entzündungszeichen. Die Krallen nutzen sich bei aktiven Aussies meist von selbst ab. Kontrolliere sie trotzdem regelmäßig. Die Zähne putzt du zwei- bis dreimal pro Woche mit einer Hundezahnbürste.
Welche rassetypischen Krankheiten hat der Australian Shepherd?
Der Australian Shepherd ist grundsätzlich eine gesunde Rasse. Dennoch gibt es einige erbliche Erkrankungen, die du kennen solltest. Ein verantwortungsvoller Züchter testet seine Zuchttiere auf diese Erkrankungen.
Die Hüftgelenksdysplasie (eine Fehlentwicklung des Hüftgelenks) kommt beim Australian Shepherd vor. Sie zeigt sich durch Lahmheit, Bewegungsunlust und Schmerzen beim Aufstehen. Seriöse Züchter lassen die Hüften ihrer Zuchttiere röntgen und auswerten. Frage beim Kauf immer nach den HD-Befunden der Elterntiere.
Augenerkrankungen sind beim Aussie ein wichtiges Thema. Die Collie Eye Anomaly (eine erbliche Augenerkrankung) und die progressive Retinaatrophie (fortschreitende Netzhautdegeneration) können auftreten. Beide Erkrankungen können zur Erblindung führen. Genetische Tests sind vor der Zucht vorgeschrieben.
Epilepsie (Krampfanfälle) tritt beim Australian Shepherd häufiger auf als bei vielen anderen Rassen. Die Anfälle zeigen sich meist zwischen dem ersten und fünften Lebensjahr. Mit Medikamenten lässt sich die Erkrankung in der Regel gut kontrollieren.
Mit welchen Kosten muss ich bei einem Australian Shepherd rechnen?
Ein Australian Shepherd Welpe von einem seriösen Züchter kostet zwischen 1.200 und 2.500 Euro. In diesem Preis sind genetische Tests der Elterntiere, Impfungen, Entwurmungen und Chipkennzeichnung enthalten. Merle-farbene Welpen sind oft teurer als einfarbige.
Die Erstausstattung kostet zwischen 300 und 500 Euro. Du brauchst ein großes Hundebett, robuste Näpfe, eine lange Schleppleine, ein Geschirr, eine Transportbox, Bürsten und verschiedenes Spielzeug. Für hochwertiges Futter kalkulierst du monatlich 60 bis 100 Euro, da der Aussie als aktiver Hund mehr Energie benötigt.
Hundesport ist ein wichtiger Kostenfaktor. Die Mitgliedschaft in einem Hundesportverein kostet 100 bis 200 Euro im Jahr. Einzelstunden bei einem Hundetrainer kosten 30 bis 80 Euro pro Stunde. Rechne mit mindestens 500 bis 1.000 Euro im Jahr für Training und Sport.
Die Tierarztkosten liegen bei 300 bis 500 Euro pro Jahr für Routineversorgung. Der MDR1-Gentest kostet einmalig etwa 50 bis 70 Euro und ist eine lohnende Investition. Für unvorhergesehene Behandlungen legst du monatlich 40 bis 60 Euro zurück. Die Hundehaftpflicht kostet 60 bis 100 Euro jährlich.
Wie erziehe ich einen Australian Shepherd?
Die Erziehung des Australian Shepherds ist anspruchsvoll und erfordert Erfahrung. Er lernt extrem schnell, aber er lernt auch schnell die falschen Dinge. Jede Inkonsequenz nutzt er sofort aus. Du brauchst einen klaren Plan und musst Regeln konsequent durchsetzen.
Positive Verstärkung ist die beste Methode für den Aussie. Er reagiert hervorragend auf Lob, Leckerlis und Spielzeug als Belohnung. Harte Strafen verunsichern ihn und beschädigen die Bindung zu dir. Sein sensibler Charakter verlangt nach einer fairen und respektvollen Erziehung.
Der Rückruf ist das wichtigste Kommando beim Australian Shepherd. Sein Hüteinstinkt kann dazu führen, dass er Jogger, Radfahrer oder Autos fixiert und ihnen nachsetzt. Ein zuverlässiger Rückruf ist deshalb lebenswichtig. Trainiere ihn von Anfang an unter verschiedenen Ablenkungen.
Die Sozialisierung muss bereits in den ersten Lebenswochen beginnen. Gewöhne deinen Aussie-Welpen an möglichst viele verschiedene Situationen, Menschen und Tiere. Ohne gute Sozialisierung kann seine natürliche Reserviertheit gegenüber Fremden in Angst oder Aggression umschlagen.
Passt ein Australian Shepherd zu dir?
Der Australian Shepherd passt zu dir, wenn du ein aktiver Mensch bist und gerne Zeit draußen verbringst. Du solltest bereit sein, täglich mindestens zwei Stunden für Bewegung und Beschäftigung aufzubringen. Jogger, Wanderer und Reiter finden im Aussie einen idealen Begleiter.
Du brauchst Hundeerfahrung, um einen Aussie artgerecht zu halten. Als Ersthund ist er nicht geeignet. Seine Intelligenz und sein Arbeitsdrang erfordern einen souveränen Halter, der ihn richtig führen und beschäftigen kann. Hundeanfänger sind mit ihm schnell überfordert.
Der Australian Shepherd eignet sich für aktive Familien mit älteren Kindern. Sein Hüteinstinkt kann bei kleinen Kindern problematisch werden, wenn er versucht, sie zu hüten und in die Fersen zu zwicken. Kinder ab acht Jahren können jedoch wunderbar mit ihm spielen und trainieren.
Wenn du einen gemütlichen Couchpartner suchst, ist der Aussie definitiv falsch. Er braucht Action und Abwechslung. Auch Vollzeitberufstätige ohne Betreuungsmöglichkeit für den Hund sollten sich für eine andere Rasse entscheiden. Der Australian Shepherd will und muss beschäftigt werden.
Häufig gestellte Fragen zum Australian Shepherd
Wie viel Auslauf braucht ein Australian Shepherd?
Ist der Australian Shepherd ein Anfängerhund?
Was ist der MDR1-Gendefekt?
Haart der Australian Shepherd viel?
Kann man einen Australian Shepherd in einer Wohnung halten?
Was ist eine Merle-Verpaarung?
Versteht sich der Australian Shepherd mit anderen Hunden?
Wie teuer ist ein Australian Shepherd?
Quellen
- FCI-Rassestandard Nr. 342 – Australian Shepherd
- VDH – Verband für das Deutsche Hundewesen: Rassebeschreibung Australian Shepherd
- Krämer, E.-M. (2017): Der große Kosmos Hundeführer. Franckh-Kosmos Verlag.
- Geyer, J. et al. (2005): MDR1-Defekt – Gefahr für Hunde. Justus-Liebig-Universität Gießen.
- Club für Australian Shepherd Deutschland e.V.: Zuchtordnung und Gesundheitsprogramm