Labrador Retriever
Der Labrador Retriever gehört weltweit zu den beliebtesten Hunderassen. Kein Wunder: Kaum eine andere Rasse vereint so viel Freundlichkeit, Intelligenz und Vielseitigkeit. Ob als Familienhund, Therapiebegleiter oder Rettungshund – der Labrador begeistert durch sein ausgeglichenes Wesen.
Ursprünglich stammt der Labrador von der kanadischen Küste Neufundlands. Dort half er Fischern beim Einholen der Netze. Sein wasserabweisendes Fell und seine Schwimmfreude sind bis heute geblieben. In Europa hat sich der Labrador seit den 1970er-Jahren als Familienhund etabliert.
In diesem Artikel erfährst du alles über den Charakter, die Haltung und die Pflege des Labrador Retrievers. Du lernst, welche rassetypischen Krankheiten auftreten können und mit welchen Kosten du rechnen musst. So kannst du entscheiden, ob ein Labrador der richtige Hund für dich ist.
Steckbrief: Labrador Retriever
| Größe | 55–62 cm |
| Gewicht | 25–36 kg |
| Lebenserwartung | 10–14 Jahre |
| FCI-Gruppe | Apportierhunde |
| Herkunft | Neufundland/Großbritannien |
| Fell | Kurz, dicht, wasserabweisend |
| Farben | Gelb, Schwarz, Chocolate |
| Charakter | Freundlich, intelligent, ausgeglichen |
| Bewegungsbedarf | Hoch |
| Pflegeaufwand | Mittel |
| Für Familien | Sehr gut |
| Anfängergeeignet | Ja |
Wie ist der Charakter des Labrador Retrievers?
Der Labrador Retriever ist ein ausgesprochen menschenfreundlicher Hund. Er sucht aktiv den Kontakt zu seiner Familie und zeigt dabei eine bemerkenswerte Geduld. Aggression liegt ihm fern. Stattdessen begegnet er Fremden meist mit wedelndem Schwanz.
Besonders hervorzuheben ist seine Kinderfreundlichkeit. Labradore tolerieren auch ungestümes Spiel und reagieren gelassen auf laute Geräusche. Das macht sie zu idealen Familienhunden. Gleichzeitig sind sie wachsam genug, um ihre Familie im Blick zu behalten.
Mit anderen Hunden versteht sich der Labrador in der Regel problemlos. Seine soziale Natur macht ihn zu einem angenehmen Begleiter in Hundeparks und auf Spaziergängen. Auch mit Katzen kann er gut zusammenleben, wenn er früh sozialisiert wird.
Seine hohe Intelligenz macht den Labrador besonders lernfreudig. Er wird weltweit als Blindenführhund, Rettungshund und Therapiehund eingesetzt. Diese Vielseitigkeit spricht für seine Anpassungsfähigkeit und seinen Arbeitswillen. Der Labrador braucht geistige Beschäftigung, sonst sucht er sich selbst Aufgaben – und die gefallen dir nicht immer.

Welche Haltungsbedingungen braucht ein Labrador Retriever?
Der Labrador ist ein aktiver Hund mit hohem Bewegungsbedarf. Mindestens zwei Stunden Auslauf pro Tag sind Pflicht. Dabei reicht einfaches Spazierengehen nicht aus. Er braucht abwechslungsreiche Beschäftigung wie Apportieren, Schwimmen oder Nasenarbeit.
Eine Wohnung in der Stadt ist möglich, wenn du genug Bewegung bietest. Ideal ist allerdings ein Haus mit eingezäuntem Garten. So kann der Labrador auch zwischendurch im Freien toben. Bedenke: Ein gelangweilter Labrador kann durchaus Möbel oder Schuhe anknabbern.
Labradore sind keine Einzelgänger. Sie brauchen enge Anbindung an ihre Familie. Lange Phasen allein zu Hause verkraften sie schlecht. Wenn du ganztags arbeitest, solltest du über einen Hundesitter oder eine Hundetagesstätte nachdenken.
Schwimmen ist für den Labrador das Größte. Wenn du in der Nähe von Seen, Flüssen oder dem Meer wohnst, ist das ein großer Pluspunkt. Sein wasserabweisendes Fell und die Schwimmhäute zwischen den Zehen machen ihn zum geborenen Wasserliebhaber.
Wie viel Pflege braucht ein Labrador Retriever?
Das kurze, dichte Fell des Labradors ist relativ pflegeleicht. Trotzdem haart er stark, besonders während des Fellwechsels im Frühjahr und Herbst. Regelmäßiges Bürsten – zwei- bis dreimal pro Woche – reduziert die Haare auf Kleidung und Möbeln erheblich.
Baden solltest du deinen Labrador nur bei starker Verschmutzung. Zu häufiges Waschen zerstört den natürlichen Fettfilm seines Fells. Dieses Fett macht das Fell wasserabweisend und schützt die Haut vor Austrocknung.
Die Schlappohren des Labradors brauchen besondere Aufmerksamkeit. Kontrolliere sie wöchentlich auf Rötungen, Geruch oder Schmutz. Ohrenentzündungen sind bei dieser Rasse häufig. Die Krallen kürzt du bei Bedarf, die Zähne pflegst du idealerweise mit einer Hundezahnbürste oder Kauartikeln.
Welche rassetypischen Krankheiten hat der Labrador Retriever?
Die Hüftdysplasie (eine Fehlentwicklung des Hüftgelenks) gehört zu den häufigsten Erkrankungen beim Labrador. Dabei passt der Oberschenkelkopf nicht korrekt in die Hüftpfanne. Das führt zu Schmerzen und Bewegungseinschränkungen. Seriöse Züchter lassen ihre Zuchttiere röntgen und nur HD-freie Hunde in die Zucht.
Auch die Ellbogendysplasie (eine Fehlentwicklung des Ellbogengelenks) tritt beim Labrador gehäuft auf. Beide Gelenkerkrankungen können durch Übergewicht verschlimmert werden. Deshalb ist eine schlanke Figur beim Labrador besonders wichtig.
Der Labrador neigt zu Übergewicht. Sein Appetit kennt kaum Grenzen. Eine Mutation im sogenannten POMC-Gen wurde bei vielen Labradoren nachgewiesen. Diese Mutation verstärkt das Hungergefühl. Du musst die Futtermenge streng kontrollieren und Leckerlis einrechnen.
Etwa 25 Prozent aller Labradore tragen die POMC-Genmutation, die zu übermäßigem Hunger führt. Kontrolliere das Gewicht deines Labradors regelmäßig und halte dich strikt an die empfohlene Futtermenge.
Augenkrankheiten wie die Progressive Retinaatrophie (ein fortschreitender Abbau der Netzhaut) kommen ebenfalls vor. Bei dieser Erkrankung verliert der Hund schleichend sein Sehvermögen. Genetische Tests beim Züchter können das Risiko minimieren.

Was kostet ein Labrador Retriever?
Ein Labrador-Welpe von einem seriösen Züchter kostet zwischen 1.200 und 2.000 Euro. Der Preis hängt von der Zuchtlinie, den Gesundheitsuntersuchungen der Elterntiere und dem Züchter ab. Hunde aus Showlinien sind oft teurer als Hunde aus Arbeitslinien.
Die monatlichen Kosten belaufen sich auf 100 bis 200 Euro. Darin enthalten sind hochwertiges Futter (50 bis 80 Euro), Versicherung (10 bis 40 Euro) und Rücklagen für den Tierarzt. Labradore fressen als große, aktive Hunde vergleichsweise viel.
Rechne zusätzlich mit jährlichen Tierarztkosten von 200 bis 500 Euro für Impfungen, Entwurmungen und Vorsorge. Im Krankheitsfall können die Kosten deutlich höher ausfallen. Eine Hundekrankenversicherung lohnt sich beim Labrador wegen der Gelenkprobleme besonders.
Wie erziehst du einen Labrador Retriever?
Der Labrador ist ein Traum für Hundeanfänger. Seine Lernfreude und sein Wille zu gefallen machen das Training vergleichsweise einfach. Positive Verstärkung funktioniert bei ihm hervorragend. Leckerlis sind ein starker Motivator – achte aber auf die Kalorienmenge.
Beginne mit der Erziehung vom ersten Tag an. Grundkommandos wie Sitz, Platz und Bleib lernt der Labrador schnell. Besonders wichtig ist ein zuverlässiger Rückruf, da der Labrador gerne seiner Nase folgt. Eine Welpengruppe und später eine Hundeschule sind sehr empfehlenswert.
Konsequenz ist beim Labrador entscheidend. Sein freundliches Wesen verleitet dazu, Regeln aufzuweichen. Doch ein Labrador, der keine Grenzen kennt, wird schnell aufdringlich. Bleibe freundlich, aber bestimmt. Vermeide harte Strafen – sie sind bei dieser sensiblen Rasse kontraproduktiv.
Passt ein Labrador Retriever zu dir?
Der Labrador passt zu aktiven Menschen und Familien, die gerne draußen sind. Du solltest täglich mindestens zwei Stunden für Spaziergänge und Beschäftigung einplanen können. Ein Garten ist von Vorteil, aber keine zwingende Voraussetzung.
Wenn du einen treuen, unkomplizierten Begleiter suchst, der sich mit Kindern und anderen Tieren verträgt, ist der Labrador eine hervorragende Wahl. Bedenke aber seinen Haarverlust und seinen enormen Appetit. Für Stubenhocker und Ordnungsfanatiker ist er weniger geeignet.
Quellen
- FCI-Rassestandard Nr. 122: Labrador Retriever
- Raffan, E. et al. (2016): A Deletion in the Canine POMC Gene Is Associated with Weight and Appetite. Cell Metabolism, 24(2), 289–298.
- Orthopedic Foundation for Animals: Statistiken zu HD/ED beim Labrador Retriever
- The Kennel Club UK: Breed Health Information – Labrador Retriever