Staffordshire Bullterrier

Der Staffordshire Bullterrier ist eine der am häufigsten missverstandenen Hunderassen. Hinter seinem muskulösen Äußeren verbirgt sich ein ausgesprochen menschenfreundlicher Hund. In seiner Heimat England trägt er den Spitznamen „Nanny Dog“, weil er als besonders kinderlieb gilt. Die Rasse hat eine bewegte Geschichte vom Kampfhund zum Familienhund hinter sich. Heute kämpft sie vor allem gegen Vorurteile. In diesem Artikel erfährst du die wichtigsten Fakten über den Staffordshire Bullterrier.
Steckbrief Staffordshire Bullterrier
- Größe: 36–41 cm
- Gewicht: 11–17 kg
- Lebenserwartung: 12–14 Jahre
- FCI-Gruppe: Terrier (Gruppe 3)
- Herkunft: Großbritannien
- Fell: Kurz, glatt, dicht
- Farben: Rot, Fawn, Weiß, Schwarz, Blau, Gestromt
- Charakter: Mutig, zuverlässig, menschenfreundlich
- Bewegungsbedarf: Hoch
- Pflegeaufwand: Niedrig
- Familientauglichkeit: Gut (mit Erfahrung)
- Für Anfänger: Nicht geeignet
Woher stammt der Staffordshire Bullterrier?
Der Staffordshire Bullterrier entstand im 19. Jahrhundert in der englischen Region Staffordshire. Er ging aus Kreuzungen zwischen Bulldoggen und verschiedenen Terrierrassen hervor. Ursprünglich wurde er für Hundekämpfe und Rattenfangen gezüchtet. Diese grausamen Praktiken wurden 1835 in England verboten.
Nach dem Verbot der Hundekämpfe wandelte sich die Rasse. Engagierte Züchter selektierten auf Menschenfreundlichkeit und ausgeglichenes Temperament. 1935 wurde der Staffordshire Bull Terrier vom Kennel Club offiziell anerkannt. Die FCI führt ihn unter der Standardnummer 76 in Gruppe 3.
In England ist der Staffie bis heute eine der beliebtesten Hunderassen. In Deutschland und einigen anderen Ländern steht er auf Rasselisten. Die Haltung unterliegt daher besonderen Auflagen. Informiere dich vor der Anschaffung über die Gesetze in deinem Bundesland.
Wie sieht der Staffordshire Bullterrier aus?
Der Staffordshire Bullterrier ist ein kompakter, muskulöser Hund von mittlerer Größe. Die Schulterhöhe beträgt 36 bis 41 cm. Rüden wiegen 13 bis 17 kg, Hündinnen 11 bis 15 kg. Trotz seiner geringen Größe wirkt er kräftig und athletisch.
Sein Kopf ist breit und kurz mit ausgeprägter Kaumuskulatur. Die dunklen, runden Augen blicken aufmerksam und freundlich. Die Ohren sind halb aufgerichtet oder rosenförmig. Der Fang ist kurz und kräftig. Der gesamte Körperbau strahlt Kraft und Beweglichkeit aus.
Das Fell ist kurz, glatt und liegt eng am Körper an. Es kommt in vielen Farben vor: Rot, Fawn, Weiß, Schwarz, Blau und Gestromt. Auch Kombinationen mit Weiß sind häufig. Die Rute ist mittellang und wird niedrig getragen. Sie verjüngt sich zur Spitze hin.
Welchen Charakter hat der Staffordshire Bullterrier?
Der Staffordshire Bullterrier ist ein ausgesprochen menschenfreundlicher Hund. Sein Rassestandard beschreibt ihn als „mutig, furchtlos und absolut zuverlässig“. Er liebt seine Menschen über alles und zeigt ihnen gegenüber große Zuneigung. Seine Bindung an seine Familie ist außergewöhnlich stark.
Besonders bemerkenswert ist seine Kinderliebe. Er geht geduldig und sanft mit Kindern um. In England gilt er traditionell als „Kindermädchen-Hund“. Natürlich solltest du Kinder und Hund trotzdem nie unbeaufsichtigt lassen.
Gegenüber anderen Hunden kann der Staffie jedoch weniger verträglich sein. Sein Erbe aus der Kampfhundezucht zeigt sich gelegentlich in Hundebegegnungen. Eine sorgfältige Sozialisierung im Welpenalter ist daher entscheidend. Viele gut sozialisierte Staffies kommen aber problemlos mit anderen Hunden zurecht.
Der Staffie ist mutig und selbstbewusst. Er zeigt keine grundlose Aggression gegenüber Menschen. Im Gegenteil: Er sucht aktiv Kontakt und Nähe. Sein Wesen ist fröhlich, verspielt und energiegeladen. Er braucht einen erfahrenen Halter, der ihn souverän führt.
Wie viel Bewegung braucht ein Staffordshire Bullterrier?
Der Staffordshire Bullterrier hat einen hohen Bewegungsbedarf. Mindestens 90 Minuten aktive Beschäftigung pro Tag sind notwendig. Er liebt es, zu rennen, zu spielen und zu apportieren. Kurze Spaziergänge reichen für diesen athletischen Hund nicht aus.
Geeignete Aktivitäten sind Agility, Obedience und Apportiertraining. Auch Zerrspiele und Suchaufgaben begeistern den Staffie. Schwimmen liegt nicht jedem Staffie, manche lieben es jedoch. Probiere verschiedene Beschäftigungen aus und finde heraus, was deinem Hund gefällt.
Neben körperlicher Auslastung braucht der Staffie auch geistige Forderung. Intelligenzspielzeug und Tricktraining halten ihn mental fit. Ein gut ausgelasteter Staffie ist zu Hause ein ruhiger und entspannter Begleiter. Ohne Beschäftigung neigt er zu destruktivem Verhalten.

Wie pflege ich einen Staffordshire Bullterrier?
Die Fellpflege beim Staffordshire Bullterrier ist denkbar einfach. Sein kurzes, glattes Fell braucht nur einmal wöchentlich gebürstet zu werden. Verwende eine weiche Bürste oder einen Gummistriegel. Damit entfernst du lose Haare und förderst die Durchblutung.
Baden ist nur bei Bedarf nötig. Zu häufiges Baden trocknet die Haut aus. Kontrolliere regelmäßig die Ohren und reinige sie bei Verschmutzung. Die Krallen müssen bei Bedarf gekürzt werden. Regelmäßige Zahnpflege beugt Zahnstein vor.
Achte besonders auf die Haut deines Staffies. Die Rasse neigt zu Hautallergien und Hautreizungen. Kontrolliere die Haut regelmäßig auf Rötungen, Ausschlag oder kahle Stellen. Bei Auffälligkeiten konsultiere deinen Tierarzt.
Welche Gesundheitsprobleme hat der Staffordshire Bullterrier?
Der Staffordshire Bullterrier ist grundsätzlich ein robuster Hund. Seine Lebenserwartung liegt bei 12 bis 14 Jahren. Es gibt jedoch einige rassetypische Gesundheitsprobleme.
Die L-2-Hydroxyglutarazidurie (L-2-HGA) ist eine erbliche Stoffwechselerkrankung. Sie betrifft das Nervensystem und kann zu Krampfanfällen führen. Seriöse Züchter testen ihre Hunde auf diese Krankheit. Auch die hereditäre Katarakt (HC) kommt bei der Rasse vor und kann zur Erblindung führen.
Hautprobleme und Allergien sind beim Staffie relativ häufig. Futtermittelallergien äußern sich durch Juckreiz und Hautentzündungen. Eine Ausschlussdiät kann die Ursache eingrenzen. Auch Patellaluxation (Kniescheibenverrenkung) tritt gelegentlich auf.
Eignet sich der Staffordshire Bullterrier als Familienhund?
Der Staffordshire Bullterrier kann ein ausgezeichneter Familienhund sein. Voraussetzung ist ein erfahrener Halter mit Hundekenntnissen. Er braucht klare Strukturen, konsequente Erziehung und viel Zuwendung.
Mit Kindern geht er in der Regel liebevoll und geduldig um. Er ist robust genug für lebhaftes Kinderspiel. Trotzdem gehören Grundregeln dazu: Kinder müssen den respektvollen Umgang mit dem Hund lernen.
Bedenke die rechtliche Situation. In vielen Bundesländern brauchst du eine Halteerlaubnis. Die Auflagen umfassen oft Sachkundenachweis, Wesenstest und Maulkorbpflicht. Informiere dich gründlich über die Anforderungen in deiner Region.
Was kostet ein Staffordshire Bullterrier?
Ein Staffordshire-Bullterrier-Welpe von einem seriösen Züchter kostet zwischen 1.000 und 1.800 Euro. Achte unbedingt auf Gesundheitstests der Elterntiere. Insbesondere L-2-HGA und HC-Tests müssen vorliegen.
Die monatlichen Kosten liegen bei 100 bis 180 Euro. Darin enthalten sind Futter, Versicherung und Tierarzt. Beachte die Kosten für die Halteerlaubnis. Je nach Bundesland fallen Gebühren für Wesenstest, Sachkundenachweis und erhöhte Hundesteuer an.
Worauf musst du bei der Erziehung achten?
Die Erziehung des Staffordshire Bullterriers erfordert Erfahrung und Souveränität. Er ist intelligent und lernwillig, braucht aber einen selbstsicheren Halter. Unsicherheit oder Inkonsequenz führen zu Problemen.
Beginne die Sozialisierung so früh wie möglich. Der junge Staffie muss viele verschiedene Hunde, Menschen und Situationen kennenlernen. Besonders die Verträglichkeit mit anderen Hunden muss intensiv trainiert werden.
Setze auf positive Verstärkung und motivationsbasiertes Training. Der Staffie will gefallen und arbeitet gerne für Belohnungen. Harte Methoden sind kontraproduktiv und zerstören das Vertrauen. Eine gute Hundeschule mit Erfahrung in der Rasse ist empfehlenswert.
Häufig gestellte Fragen zum Staffordshire Bullterrier
Ist der Staffordshire Bullterrier gefährlich?
Nein. Der Staffordshire Bullterrier ist laut Rassestandard besonders menschenfreundlich. Aggression gegenüber Menschen ist ein Ausschlusskriterium in der Zucht. Probleme entstehen durch falsche Haltung und mangelnde Erziehung.
Steht der Staffie auf der Rasseliste?
Ja, in vielen deutschen Bundesländern ist er als „gefährlicher Hund“ oder „Listenhund“ eingestuft. Die Auflagen variieren je nach Bundesland. Informiere dich vor der Anschaffung bei deiner Gemeinde.
Was ist der Unterschied zum American Staffordshire Terrier?
Der Staffordshire Bullterrier ist kleiner und leichter als der American Staffordshire Terrier. Der Staffie wiegt 11–17 kg, der Amstaff 25–30 kg. Es handelt sich um zwei verschiedene Rassen mit eigenen FCI-Standards.
Kann der Staffie in einer Wohnung leben?
Ja, bei ausreichend Bewegung und Beschäftigung. Er ist ein relativ ruhiger Haushund, wenn er gut ausgelastet wird. Ein Garten ist von Vorteil, aber kein Muss.
Versteht sich der Staffie mit anderen Hunden?
Das hängt stark von der Sozialisierung ab. Gut sozialisierte Staffies kommen mit vielen Hunden klar. Ohne Sozialisierung kann es zu Konflikten kommen. Trainiere die Hundeverträglichkeit von klein auf.
Wie alt wird ein Staffordshire Bullterrier?
Die Lebenserwartung liegt bei 12 bis 14 Jahren. Damit ist er für seine Größe ein langlebiger Hund. Gute Pflege und Vorsorge tragen zu einem langen Leben bei.
Brauche ich einen Wesenstest?
In vielen Bundesländern ja. Der Wesenstest prüft das Verhalten des Hundes in verschiedenen Situationen. Bei bestandenem Test können Auflagen wie die Maulkorbpflicht entfallen.
Haart der Staffordshire Bullterrier?
Ja, er haart moderat. Das kurze Fell verliert gleichmäßig über das Jahr verteilt Haare. Wöchentliches Bürsten reduziert den Haarausfall in der Wohnung deutlich.
Quellen
- FCI-Standard Nr. 76 – Staffordshire Bull Terrier (Fédération Cynologique Internationale)
- The Kennel Club UK: Staffordshire Bull Terrier Breed Standard
- VDH – Verband für das Deutsche Hundewesen: Rasselisten der Bundesländer
- Studie: „L-2-Hydroxyglutaric aciduria in Staffordshire Bull Terriers“ (Journal of Veterinary Internal Medicine, 2005)