Weimaraner
Der Weimaraner ist ein eleganter Jagdhund mit silbergrauem Fell und bernsteinfarbenen Augen. Er gehört zu den deutschen Vorstehhunden und wurde ursprünglich am Hof von Weimar für die Großwildjagd gezüchtet. Heute ist er sowohl als Jagdgebrauchshund als auch als Familienhund beliebt.
Dieser athletische Hund beeindruckt durch seine Vielseitigkeit und seine enge Bindung an seine Bezugsperson. Er ist energisch, intelligent und anhänglich. Gleichzeitig stellt er hohe Ansprüche an seine Haltung und ist definitiv kein Hund für Anfänger.
In diesem Artikel erfährst du, was den Weimaraner ausmacht und ob er zu deinem Lebensstil passt. Wir beleuchten seinen Charakter, die Anforderungen an Haltung und Pflege sowie die typischen Gesundheitsrisiken dieser besonderen Rasse.

Steckbrief: Weimaraner
| Größe | 57–70 cm |
| Gewicht | 25–40 kg |
| Lebenserwartung | 10–13 Jahre |
| Gruppe | Vorstehhunde |
| Herkunft | Deutschland |
| Fell | Kurz, glatt, dicht |
| Farben | Silbergrau, Mausgrau, Rehgrau |
| Charakter | Energisch, anhänglich, vielseitig |
| Bewegungsdrang | Sehr hoch |
| Pflegeaufwand | Niedrig |
| Familientauglich | Gut (aktive Familien) |
| Anfängergeeignet | Nein |
Wie ist der Charakter des Weimaraners?
Der Weimaraner ist ein Hund mit starkem Charakter und enormer Energie. Er wurde für die anspruchsvolle Jagd gezüchtet und trägt diesen Arbeitseifer noch heute in sich. Wenn er keine Aufgabe bekommt, sucht er sich selbst eine – und die gefällt dir vielleicht nicht.
Seine Bindung an die Bezugsperson ist außergewöhnlich intensiv. Manche Halter beschreiben ihn als „Schatten“, weil er ihnen überallhin folgt. Diese Anhänglichkeit ist einerseits charmant, kann aber auch zu Trennungsangst führen, wenn sie nicht von Anfang an richtig gemanagt wird.
Gegenüber Fremden ist der Weimaraner oft zurückhaltend bis misstrauisch. Er braucht Zeit, um Vertrauen aufzubauen, und zeigt eine natürliche Wachsamkeit. Das macht ihn zu einem guten Wachhund, erfordert aber eine sorgfältige Sozialisierung.
Im Umgang mit anderen Hunden kann der Weimaraner dominantes Verhalten zeigen, besonders gleichgeschlechtlichen Artgenossen gegenüber. Eine frühe und intensive Sozialisierung ist deshalb unverzichtbar. Gegenüber Kindern ist er meist freundlich, kann aber durch seine Größe und Energie für kleine Kinder überwältigend sein.
Sein Jagdtrieb ist stark ausgeprägt und lässt sich nie vollständig unterdrücken. Beim Spaziergang kann ein Reh oder Hase im Unterholz den Weimaraner in Sekundenbruchteilen in den Jagdmodus versetzen. Ein zuverlässiger Rückruf und gute Impulskontrolle sind deshalb besonders wichtig.
Was musst du bei der Haltung des Weimaraners beachten?
Der Weimaraner braucht viel Bewegung und geistige Auslastung. Zwei bis drei Stunden aktive Beschäftigung pro Tag sind das Minimum. Dazu gehören ausgedehnte Spaziergänge, Lauftraining und Denkaufgaben. Ein unausgelasteter Weimaraner entwickelt schnell Verhaltensprobleme wie übermäßiges Bellen, Zerstörungswut oder Unruhe.
Ideal für den Weimaraner sind Hundesportarten wie Mantrailing (Personensuche anhand von Geruchsspuren), Dummy-Training (Apportierarbeit mit Attrappen) oder Agility (Parcourstraining). Auch als Begleiter beim Joggen, Radfahren oder Reiten fühlt er sich wohl.
Die Haltung mit anderen Haustieren kann schwierig sein. Sein ausgeprägter Jagdtrieb macht das Zusammenleben mit Katzen, Kaninchen oder anderen Kleintieren riskant. Wenn der Weimaraner von klein auf mit einer Katze aufwächst, kann es funktionieren. Eine Garantie gibt es aber nicht.
Der Weimaraner sollte nicht über längere Zeit allein gelassen werden. Seine starke Bindung an den Menschen macht ihn anfällig für Trennungsangst. Trainiere das Alleinsein von Anfang an schrittweise und überschreite nie die Grenze, an der dein Hund stressig reagiert.
Eine konsequente Tagesstruktur hilft dem Weimaraner, sich sicher und ausgeglichen zu fühlen. Er profitiert von festen Fütterungszeiten, regelmäßigen Spaziergängen und klar definierten Ruhephasen. Ohne Struktur neigt er zu Nervosität und Überreizung.
Wie pflegst du einen Weimaraner richtig?
Die Fellpflege des Weimaraners ist unkompliziert. Sein kurzes, glattes Fell braucht nur einmal pro Woche gebürstet zu werden. Damit entfernst du lose Haare und förderst die Durchblutung der Haut. Während des Fellwechsels kann etwas häufigeres Bürsten sinnvoll sein.
Baden ist nur selten notwendig. Das kurze Fell des Weimaraners trocknet schnell und verschmutzt weniger als langes Fell. Wenn du ihn dennoch waschen musst, verwende ein mildes Hundeshampoo, das die natürlichen Öle der Haut nicht angreift.
Die Ohren des Weimaraners sind Schlappohren und brauchen regelmäßige Kontrolle. Durch die herabhängende Form wird die Belüftung des Gehörgangs eingeschränkt, was Ohrenentzündungen begünstigt. Kontrolliere die Ohren wöchentlich und reinige sie bei Bedarf mit einem geeigneten Ohrreiniger.
Die Krallen müssen bei ausreichend Bewegung auf harten Böden selten geschnitten werden. Kontrolliere sie trotzdem regelmäßig. Zu lange Krallen verändern den Gang des Hundes und können zu Gelenkproblemen führen. Die Zähne solltest du mehrmals pro Woche mit einer Hundezahnbürste putzen oder Kauartikel zur Zahnpflege anbieten.

Welche rassetypischen Krankheiten hat der Weimaraner?
Der Weimaraner ist grundsätzlich eine robuste Rasse mit einer ordentlichen Lebenserwartung von 10 bis 13 Jahren. Dennoch gibt es einige Erkrankungen, die bei ihm gehäuft auftreten und die du kennen solltest.
Die Magendrehung (Torsio ventriculi) ist eine der gefährlichsten Erkrankungen bei großen, tiefbrüstigen Hunden wie dem Weimaraner. Dabei dreht sich der Magen um die eigene Achse und schnürt die Blutversorgung ab. Das ist ein absoluter Notfall, der sofort operiert werden muss. Ohne Behandlung verläuft eine Magendrehung tödlich.
Weitere typische Erkrankungen beim Weimaraner sind:
- Hüftgelenksdysplasie – eine erbliche Fehlbildung des Hüftgelenks mit Schmerzen und Bewegungseinschränkung
- Hyperurikosurie – eine Stoffwechselstörung, bei der zu viel Harnsäure ausgeschieden wird, was zu Harnsteinen führen kann
- Hypothyreose – eine Schilddrüsenunterfunktion mit Symptomen wie Gewichtszunahme, Müdigkeit und Fellveränderungen
- Entropium – eine Einwärtsrollung des Augenlids, die zu Hornhautreizungen führen kann
- Wobbler-Syndrom – eine Erkrankung der Halswirbelsäule, die zu Koordinationsstörungen führt
Was kostet ein Weimaraner?
Ein Weimaraner-Welpe von einem anerkannten Züchter kostet zwischen 1.500 und 2.500 Euro. Viele Weimaraner-Züchter in Deutschland sind im Weimaraner-Klub angeschlossen und vergeben Welpen bevorzugt an Jäger oder erfahrene Hundehalter.
Die monatlichen Kosten für einen Weimaraner liegen bei etwa 130 bis 200 Euro. Der größte Posten ist das Futter mit 60 bis 100 Euro pro Monat. Als aktiver Hund benötigt er hochwertiges, proteinreiches Futter in ausreichender Menge.
Zusätzlich solltest du Kosten für Hundeschule und eventuell Hundesport einplanen. Ein Kurs in der Hundeschule kostet pro Stunde etwa 15 bis 25 Euro. Hundesportvereine verlangen einen Jahresbeitrag von 50 bis 150 Euro.
Eine Hundehaftpflichtversicherung ist Pflicht und kostet 50 bis 80 Euro pro Jahr. Eine Krankenversicherung für den Hund liegt je nach Tarif bei 30 bis 80 Euro pro Monat. Für die Erstausstattung inklusive Leine, Geschirr, Näpfe und Transportbox solltest du 300 bis 500 Euro einplanen.
Wie erziehst du einen Weimaraner?
Die Erziehung eines Weimaraners ist anspruchsvoll und erfordert Erfahrung. Dieser Hund braucht eine souveräne Führung, die ihm Sicherheit gibt. Gleichzeitig reagiert er empfindlich auf Härte und Ungerechtigkeit. Die richtige Balance aus Konsequenz und Einfühlungsvermögen ist der Schlüssel.
Beginne mit der Erziehung vom ersten Tag an. Der Weimaraner-Welpe testet schnell aus, wie weit er gehen kann. Setze klare Regeln und halte diese konsequent ein. Was heute verboten ist, sollte auch morgen verboten sein. Inkonsequenz verunsichert den Weimaraner und führt zu Problemen.
Der Rückruf ist beim Weimaraner die wichtigste Übung. Sein starker Jagdtrieb macht einen zuverlässigen Rückruf zur Überlebensfrage – im wortwörtlichen Sinn. Trainiere den Rückruf unter steigender Ablenkung und belohne ihn jedes Mal großzügig, wenn er zu dir zurückkommt.
Die Impulskontrolle ist ein weiterer Schwerpunkt in der Erziehung. Der Weimaraner muss lernen, nicht jedem Reiz sofort nachzugeben. Übungen wie Warten vor dem Futter, ruhiges Verhalten an der Leine und kontrolliertes Verhalten bei Begegnungen mit Wild helfen dabei.
Eine professionelle Hundeschule ist beim Weimaraner keine Option, sondern eine Notwendigkeit. Suche dir einen Trainer, der Erfahrung mit Jagdhunden hat und moderne, gewaltfreie Methoden anwendet. Gruppenkurse allein reichen oft nicht aus. Einzeltraining kann gezielt an den individuellen Herausforderungen arbeiten.
Passt der Weimaraner zu dir?
Der Weimaraner ist ein außergewöhnlicher Hund für außergewöhnliche Menschen. Er passt zu dir, wenn folgende Punkte auf dich zutreffen:
- Du bist sportlich aktiv und verbringst viel Zeit in der Natur.
- Du hast Erfahrung mit anspruchsvollen Hunderassen.
- Du kannst täglich zwei bis drei Stunden für Bewegung und Training aufbringen.
- Du lebst ländlich mit Haus und Garten.
- Du bist bereit, eine Hundeschule zu besuchen und konsequent zu trainieren.
Der Weimaraner passt nicht zu dir, wenn du einen gemütlichen Begleithund suchst, der sich mit kurzen Spaziergängen zufriedengibt. Auch für Berufstätige, die den Hund den ganzen Tag allein lassen müssen, ist er ungeeignet.
Unterschätze den Jagdtrieb dieser Rasse nicht. In vielen Regionen ist ein Freilauf ohne Leine nur möglich, wenn du einen sehr guten Rückruf aufgebaut hast. Manche Halter nutzen dauerhaft eine Schleppleine (eine lange Trainingsleine von 5 bis 15 Metern), um dem Hund Bewegungsfreiheit zu geben und trotzdem die Kontrolle zu behalten.
Häufige Fragen zum Weimaraner
Ist der Weimaraner ein Familienhund?
Wie viel Auslauf braucht ein Weimaraner?
Kann man einen Weimaraner frei laufen lassen?
Verträgt sich der Weimaraner mit Katzen?
Wie alt wird ein Weimaraner?
Gibt es Weimaraner mit langem Fell?
Warum hat der Weimaraner so besondere Augen?
Ist der Weimaraner ein Listenhund?
Quellen
- FCI-Rassestandard Nr. 99 – Weimaraner
- Weimaraner-Klub e.V. – Rassebeschreibung und Zuchtordnung
- Glickman, L.T. et al. (2000): Non-dietary Risk Factors for Gastric Dilatation-Volvulus in Large and Giant Breed Dogs. Journal of the American Veterinary Medical Association.
- Verband für das Deutsche Hundewesen (VDH) – Gesundheitsprogramme für Vorstehhunde