Myxomatose beim Kaninchen: Symptome, Verlauf & Impfschutz
Myxomatose (eine Viruserkrankung) gehört zu den gefährlichsten Krankheiten für Kaninchen. Sie wird durch das Myxomavirus ausgelöst und endet ohne Behandlung häufig tödlich. Besonders tückisch: Auch reine Wohnungskaninchen können sich infizieren. Stechmücken übertragen das Virus durch offene Fenster.
Die gute Nachricht ist allerdings ermutigend. Myxomatose lässt sich durch eine Impfung zuverlässig verhindern. Alle deutschen Veterinärgesellschaften empfehlen die Impfung für jedes Kaninchen. Egal ob Freilauf im Garten oder Leben in der Wohnung.
In diesem Artikel erfährst du alles Wichtige über Myxomatose. Du lernst die Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten kennen. Außerdem zeigen wir dir, wie du dein Kaninchen effektiv schützen kannst und welche Kosten dabei auf dich zukommen.
Myxomatose ist impfpräventabel — die Impfung ist der einzige sichere Schutz vor dieser gefährlichen Erkrankung.
Stechmücken übertragen das Virus auch auf reine Wohnungskaninchen durch offene Fenster und Balkontüren.
Erste Symptome bemerkt? Sofort zum Tierarzt — Frühbehandlung verbessert die Überlebenschancen deutlich.
Was ist Myxomatose und warum ist sie so gefährlich?
Myxomatose wird durch das Myxomavirus verursacht. Dieses Virus gehört zur Familie der Pockenviren. Es befällt ausschließlich Hasen und Kaninchen. Für Menschen und andere Haustiere ist es nicht ansteckend.
Das Virus wurde ursprünglich in Südamerika entdeckt. In den 1950er Jahren wurde es in Australien absichtlich freigesetzt. Dort sollte es die Wildkaninchenpopulation kontrollieren. Von dort breitete es sich über Europa aus.
In Deutschland kommt Myxomatose vor allem in den Sommermonaten vor. Das Virus zirkuliert in der Wildkaninchenpopulation dauerhaft. Über Insekten gelangt es auch zu Hauskaninchen. Deshalb ist das Infektionsrisiko nie vollständig ausgeschlossen.
Die Sterblichkeitsrate bei ungeimpften Kaninchen liegt bei 80 bis 100 Prozent. Selbst mit intensiver tierärztlicher Behandlung überleben viele Tiere die Erkrankung nicht. Genau deshalb ist die Impfung so entscheidend wichtig.
Wie wird Myxomatose übertragen?
Der häufigste Übertragungsweg sind Stechmücken. Eine infizierte Mücke nimmt das Virus beim Stich eines erkrankten Kaninchens auf. Anschließend überträgt sie es auf das nächste Tier. Mücken können das Virus über mehrere Kilometer transportieren.
Neben Stechmücken spielen auch Flöhe eine wichtige Rolle. Kaninchenflöhe, aber auch Hunde- und Katzenflöhe können das Virus weitergeben. Wenn dein Hund oder deine Katze Flöhe hat, besteht ein indirektes Risiko für dein Kaninchen.
Direkter Kontakt zwischen Kaninchen ist ein weiterer Übertragungsweg. Infizierte Tiere scheiden das Virus über Nasen- und Augensekret aus. Auch über gemeinsam genutzte Futternäpfe und Trinkflaschen kann eine Ansteckung erfolgen.
Kontaminierte Gegenstände stellen ebenfalls ein Risiko dar. Dazu gehören Einstreu, Heu und Käfigzubehör. Das Virus ist in der Umwelt relativ widerstandsfähig und überlebt mehrere Wochen auf Oberflächen.
Stechmücken gelangen durch offene Fenster und Balkontüren ins Haus. Flöhe werden von Hunden und Katzen eingeschleppt. Ein vollständiger Schutz ohne Impfung ist daher nicht möglich.

Welche Symptome zeigt ein Kaninchen bei Myxomatose?
Die Inkubationszeit (also die Zeit zwischen Ansteckung und ersten Symptomen) beträgt 3 bis 10 Tage. In manchen Fällen dauert es bis zu 14 Tage. Die Erkrankung verläuft in mehreren Stadien mit zunehmender Schwere.
Die ersten Anzeichen sind oft unauffällig. Dein Kaninchen wirkt möglicherweise etwas ruhiger als gewöhnlich. Es frisst vielleicht etwas weniger. Diese frühen Symptome werden leicht übersehen.
Im weiteren Verlauf treten deutlichere Symptome auf. Die Augenlider schwellen an und röten sich stark. Es bildet sich eitriger Augenausfluss. Die Bindehäute entzünden sich zunehmend.
Typisch für Myxomatose sind gummiartige Schwellungen. Diese sogenannten Myxome (gutartige Wucherungen der Haut) bilden sich an Kopf, Ohren, Augenlidern und im Genitalbereich. Die Schwellungen können so stark werden, dass das Kaninchen nicht mehr sehen kann.
Im fortgeschrittenen Stadium kommt Nasenausfluss hinzu. Das Kaninchen zeigt Atemnot durch geschwollene Schleimhäute. Es verweigert Futter und Wasser. Ohne Behandlung führt die Erkrankung innerhalb von ein bis zwei Wochen zum Tod.
Es gibt auch eine mildere Verlaufsform. Bei teilweise immunen Tieren zeigen sich nur kleine Knötchen an Ohren und Nase. Diese Form heilt manchmal von selbst aus. Trotzdem solltest du sofort zum Tierarzt gehen.
Wie stellt der Tierarzt die Diagnose?
Die Diagnose erfolgt in den meisten Fällen anhand der typischen Symptome. Ein erfahrener Tierarzt erkennt Myxomatose meist auf den ersten Blick. Die charakteristischen Schwellungen und Hautveränderungen sind sehr eindeutig.
Bei unklaren Fällen kann eine Laboruntersuchung Sicherheit geben. Dabei wird eine Probe der Hautveränderungen entnommen. Im Labor lässt sich das Virus durch einen PCR-Test (Polymerase-Kettenreaktion) eindeutig nachweisen.
Der Tierarzt wird außerdem den allgemeinen Gesundheitszustand beurteilen. Er prüft die Lunge auf Sekundärinfektionen. Er untersucht die Augen auf Schäden durch die Schwellungen. Diese Untersuchungen helfen bei der Einschätzung der Prognose.
Gibt es eine Behandlung für Myxomatose?
Eine direkte antivirale Therapie gegen das Myxomavirus existiert leider nicht. Die Behandlung ist rein unterstützend. Sie zielt darauf ab, deinem Kaninchen die bestmögliche Chance zu geben, die Infektion selbst zu überwinden.
Antibiotika kommen zum Einsatz gegen bakterielle Sekundärinfektionen. Durch die geschwächte Immunabwehr siedeln sich häufig Bakterien an. Besonders die Atemwege und Augen sind davon betroffen.
Schmerzmittel und entzündungshemmende Medikamente lindern das Leid. Flüssigkeitsgabe per Infusion verhindert die Austrocknung. Augentropfen und Augensalben behandeln die Bindehautentzündung. Zwangsernährung ist oft notwendig, wenn das Tier nicht mehr selbst frisst.
Die Prognose hängt von mehreren Faktoren ab. Der Impfstatus spielt eine entscheidende Rolle. Geimpfte Tiere, die dennoch erkranken, haben deutlich bessere Chancen. Auch der Zeitpunkt des Behandlungsbeginns ist wichtig.
Übersteht dein Kaninchen die Myxomatose, ist es wichtig zu wissen: Eine durchgemachte Erkrankung hinterlässt keinen lebenslangen Schutz. Das Tier kann sich erneut infizieren. Die Impfung bleibt also weiterhin notwendig.

Wie kannst du dein Kaninchen vor Myxomatose schützen?
Die Impfung ist der einzige zuverlässige Schutz vor Myxomatose. Es gibt verschiedene Impfstoffe auf dem Markt. Einige schützen nur gegen Myxomatose. Andere sind Kombinationsimpfstoffe, die gleichzeitig gegen RHD (Rabbit Haemorrhagic Disease, eine weitere tödliche Viruserkrankung) schützen.
Die Erstimpfung erfolgt ab der sechsten bis zehnten Lebenswoche. Nach vier Wochen wird eine Auffrischungsimpfung gegeben. Danach sollte mindestens einmal jährlich nachgeimpft werden. Bei hohem Mückenaufkommen empfehlen Tierärzte eine halbjährliche Auffrischung.
Neben der Impfung kannst du zusätzliche Schutzmaßnahmen ergreifen. Mückennetze an Fenstern und Außengehegen reduzieren das Infektionsrisiko. Regelmäßige Flohprophylaxe bei Hund und Katze schützt indirekt auch dein Kaninchen.
Neue Kaninchen solltest du vor der Vergesellschaftung immer tierärztlich untersuchen lassen. Eine zweiwöchige Quarantäne ist empfehlenswert. So verhinderst du, dass ein bereits infiziertes Tier die Krankheit in deine Gruppe einschleppt.
Achte bei Außenhaltung besonders auf den Schutz vor Insekten. Engmaschige Fliegengitter am Gehege halten Mücken fern. Vermeide stehendes Wasser in der Nähe des Geheges. Denn dort brüten Stechmücken besonders gern.
Erstimpfung ab der 6. bis 10. Lebenswoche. Auffrischung nach 4 Wochen. Dann mindestens jährlich, bei hohem Mückenaufkommen halbjährlich. Kombinationsimpfstoffe decken gleichzeitig RHD und RHD2 ab.
Was kostet die Vorsorge und Behandlung von Myxomatose?
Die Impfung kostet je nach Tierarztpraxis zwischen 25 und 40 Euro pro Einzelimpfung. Kombinationsimpfstoffe mit RHD-Schutz liegen bei 40 bis 60 Euro. Bei jährlicher Impfung sind das überschaubare Kosten für einen zuverlässigen Schutz.
Deutlich teurer wird es, wenn dein Kaninchen tatsächlich an Myxomatose erkrankt. Die Erstuntersuchung mit Diagnose kostet circa 40 bis 80 Euro. Dazu kommen Kosten für Medikamente, Infusionen und Nachuntersuchungen.
Eine intensive Behandlung über mehrere Wochen kann schnell 200 bis 500 Euro kosten. Stationäre Aufenthalte in der Tierklinik sind noch teurer. Im Vergleich dazu ist die jährliche Impfung eine sehr günstige Investition in die Gesundheit deines Kaninchens.
Einzelimpfung: 25–40 Euro | Kombi-Impfung mit RHD: 40–60 Euro | Behandlung bei Erkrankung: 200–500 Euro | Stationärer Aufenthalt: ab 500 Euro
Was solltest du bei einem Myxomatose-Ausbruch tun?
Wenn du bei deinem Kaninchen Symptome bemerkst, handle sofort. Trenne das betroffene Tier von anderen Kaninchen. Kontaktiere umgehend deinen Tierarzt und schildere die Symptome am Telefon.
Desinfiziere alle Gegenstände, die mit dem erkrankten Tier in Kontakt waren. Dazu gehören Futternäpfe, Trinkflaschen und Käfigzubehör. Verwende dafür viruzide Desinfektionsmittel aus der Tierarztpraxis.
Wasche dir gründlich die Hände nach dem Kontakt mit dem erkrankten Tier. Wechsle deine Kleidung, bevor du gesunde Kaninchen berührst. Das Virus kann über Hände und Kleidung verschleppt werden.
Lass alle anderen Kaninchen in deinem Haushalt sofort impfen. Auch wenn sie bisher keinen Impfschutz haben. Eine Notimpfung kann noch sinnvoll sein, wenn die Tiere noch keine Symptome zeigen.