Pferd anweiden im Frühling: Sicher & ohne Hufrehe oder Kolik
Der erste Weidegang im Frühling ist für Pferd und Besitzer ein besonderer Moment – aber ohne sorgfältige Vorbereitung kann er zum gesundheitlichen Risiko werden. Frisches Frühlingsgras enthält viel Fruktane und Zucker, die die Darmflora überfordern und Hufrehe oder Koliken auslösen können. Mit dem richtigen Anweidevorgehen genießt dein Pferd die Weide sicher.
Langsam starten
Erste Woche: max. 30 Minuten täglich
Weidesituation
Kurzes Gras nach Frost ist besonders fruktanreich
Zeitpunkt
Nachmittags auf die Weide – dann sind Fruktanwerte niedriger
Risikopferde
Cushing, EMS, übergewichtig – extra Vorsicht
Warum ist ein langsames Anweiden so wichtig?
Nach Monaten ohne frisches Gras ist die Darmflora deines Pferdes auf Raufutter spezialisiert. Frühlingsgras ist für den Organismus eine völlig neue Nahrungsquelle: hoher Wassergehalt, viel Eiweiß, Zucker und Fruktane. Wird zu viel davon auf einmal aufgenommen, kann die Darmflora nicht schnell genug reagieren. Die Folgen: Durchfall, Koliken – und bei gefährdeten Pferden Hufrehe.
Das optimale Anweideschema
Halte dich möglichst genau an diesen Zeitplan:
Anweide-Zeitplan (4 Wochen)
| Woche | Tägliche Weidezeit | Hinweis |
|---|---|---|
| Woche 1 | 15–30 Minuten | Vorgefüttertes Heu – Hunger vor dem Weidegang reduziert Grasaufnahme |
| Woche 2 | 1–2 Stunden | Auf Kotbeschaffenheit achten – weicher Kot = noch zu viel |
| Woche 3 | 3–4 Stunden | Steigerung nur wenn Kot normal und Pferd beschwerdefrei |
| Woche 4 | Halbtags bis ganztags | Für Risikopferde dauerhaft begrenzen |
Wann ist die schlechteste Zeit für Weidegang?
Der Fruktangehalt im Gras schwankt über den Tag:
- Früh morgens (Sonnenaufgang bis 10 Uhr): Fruktangehalt am höchsten – ungünstigster Zeitpunkt für gefährdete Pferde
- Nachmittags (ab 14 Uhr): Fruktangehalt am niedrigsten – beste Weidezeit
- Nach Frostnächten: Besonders hohes Risiko – Pflanzen haben wenig Fruktane abgebaut, gleichzeitig sind sie kurz und konzentriert
- Bewölkte Tage: Weniger Fotosynthese, niedrigerer Fruktangehalt

Vor dem Weidegang: Heu vorher anbieten
Hunger ist der größte Risikofaktor: Ein ausgehungertes Pferd frisst so schnell wie möglich so viel wie möglich. Biete deshalb immer ca. 1 Stunde vor dem Weidegang ausreichend Heu an. So ist das Pferd gesättigt und frisst auf der Weide deutlich langsamer und weniger.
Grasmasken – sinnvoll oder nicht?
Grasmasken (Grazing Muzzle) reduzieren die Grasaufnahme um bis zu 80 %. Sie sind besonders sinnvoll für:
- Pferde mit EMS oder Cushing-Syndrom
- Übergewichtige Pferde
- Pferde mit bereits stattgehabter Hufrehe
- Alle Pferde in der ersten Anweidephase
Wichtig: Die Maske muss regelmäßig kontrolliert werden, damit das Pferd genug trinken kann. Immer abnehmen, wenn das Pferd nicht auf der Weide ist, und täglich auf Druckstellen prüfen.
Auf was du auf der Weide achten solltest
Beobachte dein Pferd in den ersten Wochen besonders aufmerksam:
- Kotbeschaffenheit: Weicher, grüner Kot = zu viel Gras, zu schnell
- Bauchgeräusche: Vermehrtes Gluckern kann auf veränderte Darmflora hinweisen
- Gangbild: Steifheit oder Zögern auf hartem Boden = möglicher Rehehinweis
- Hufwärme: Hufe täglich abtasten auf erhöhte Temperatur an der Zehe
- Allgemeinbefinden: Futter- und Wasseraufnahme, Lebhaftigkeit

Risikopferde: Besondere Maßnahmen
Bei folgenden Pferden sollte das Anweiden noch vorsichtiger erfolgen:
- Cushing-Pferde: Blutuntersuchung vor dem Frühling (ACTH-Spiegel), ggf. Medikation anpassen
- EMS-Pferde: Blutzucker/Insulin-Status prüfen, maximale Weidebeschränkung
- Vorjahres-Rehepferde: Immer mit Grasmaske und max. 1–2 h täglich
- Sehr alte Pferde: Langsam steigern, Zahnstatus prüfen
Was die Weide beeinflusst
Nicht jede Weide ist gleich riskant. Artenreiche, extensiv bewirtschaftete Weiden mit diversen Kräutern und etwas älterem Gras sind weniger fruktanreich als intensiv bewirtschaftete, stark gedüngte Weiden. Wenn du eine Wahl hast, bevorzuge weniger intensive Flächen für Risikopferde. Lies auch unsere Artikel zu Hufrehe beim Pferd und Kolik beim Pferd.